Berufsschulstufe

Konzeption der Berufsschulstufe

Die Pflicht zum Besuch der Berufsschule wird in der mindestens dreijährigen Berufsschulstufe erfüllt. Hier wird jede Schülerin/jeder Schüler unabhängig von ihrem/seinem Entwicklungs-­ und Leistungsstand, auf ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben als Erwachsener vorbereitet. Sie/er soll sich später im Arbeitsbereich genauso zurechtfinden, eingliedern, betätigen und behaupten können wie im Wohnbereich und in der Öffentlichkeit oder in der Freizeit und in einer Partnerschaft. Die Schule hat für die Berufsschulstufe eine Konzeption entwickelt, in der wir sowohl in der formalen Struktur, als auch in der inhaltlichen Gestaltung diese Ziele verwirklichen wollen.

Ihr Schwerpunkt soll die Vermittlung einer beruflichen Grundbildung, nicht einer Ausbildung sein. Es kann nicht um die Vorbereitung auf einen bestimmten Beruf oder Arbeitsplatz gehen, son­dern um die Vorbereitung auf die Rolle als Berufstätiger, als einem der bedeutenden  Aspekte des Lebens als Erwachsener. Es geht darum Grundfähigkeiten und Grundfertigkeiten, wie sie für verschiedene berufliche Tätigkeiten von Bedeutung sind zu vermitteln: Arbeitstugenden wie Genauigkeit, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit... Außerdem gehört dazu beispielsweise der Umgang:

  • mit verschiedenen Materialien (zum Beispiel Holz, Metall, Farbe, Mörtel...)
  • mit Werkzeugen (Schraubendreher, Hammer, Feile...) 
  • und Maschinen (Bohrmaschine, Akkuschrauber, Sägen, Kopierdrehmaschine...)

An entsprechend entwickelten Arbeitsprojekten können erste Erfahrungen mit industriellen Arbeitsverfahren gemacht werden. Schüler können hier auch individuelle Schulungen zur selbstständigen Bedienung einzelner Maschinen machen ("kleine Maschinenscheine"). 

  • mit Arbeiten im hauswirtschaftlichen Bereich (Bügelmaschinen, Bügeleisen, Waschmaschinenschein), Dienstleistungen
  • mit Computeraufgaben (Foto-CDs) oder Arbeiten zur Unterstützung von Bürotätigkeiten (Aktenvernichtung, Kopierservice) wie sie z. B. im Arbeitsbereich Dienstleistungen der Schülerfirma anfallen.

Vielfältige Aufgaben der täglichen Lebensbewältigung werden praktisch erfahren:

  • Aufgaben im Haushalt (Kochen, Waschen, Putzen, Einkaufen...)
  • Planung und Gestaltung der persönlichen Freizeit
  • Finanzplanung, Umgang mit Geld
  • Entwicklung von Handlungskompetenzen, um als Bürger im Gemeinwesen teilnehmen zu können.

Die Berufsschulstufe gliedert sich in drei Arbeitsbereiche:

Die Schülerinnen und Schüler besuchen jeden Arbeitsbereich ein halbes Schuljahr und wechseln dann in den nächsten Arbeitsbereich. So besucht ein Schüler/eine Schülerin in den drei Jahren seiner Berufsschulstufenzeit jeden Arbeitsbereich zweimal. In stufeninternen Projektwochen werden Schwerpunkte für die Lernenden der Berufsschulstufe gesetzt, z.B. Thema Wohnen, Sexualität, Selbstbehauptung für Frauen...

Bei den gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der Hauptstufe klassenübergreifenden AGs gibt es Angebote aus Sport, Freizeit, Gestaltung, Allgemeinbildung...

 

Außerdem bieten wir Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, in verschiedenen Aufgabenfeldern, Praktika in Betrieben der Umgebung zu machen. Praktika können von der Schule und auch vom Integrationsfachdienst begleitet und unterstützt werden. Im Praktikum kann ein Schüler / eine Schülerin den beruflichen Alltag konkret erfahren und dabei werden ihm / ihr auch die persönlichen Stärken und Schwächen deutlich. Dies kann dazu verhelfen, die eigene Leistungsfähigkeit für die berufliche Zukunft realistischer einschätzen. Jedes Schuljahr machen die Schülerinnen und Schüler zudem ein einwöchiges Praktikum in einer der Werkstätten für Menschen mit Behinderung der Bruderhausdiakonie und der Lebenshilfe im Kreis Rottweil.

Unabhängigkeit und Selbstständigkeit sind verbunden mit der Möglichkeit, seine Wege eigenständig zurücklegen zu können. Deshalb unterstützen wir unsere Schülerinnen und Schüler darin, ihren Schulweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen. Einerseits wird damit das Zutrauen in die eigene Leistungsmöglichkeit gestärkt und so Grundlagen zu mehr Eigenverantwortlichkeit geschaffen, andererseits ist Unabhängigkeit bei der Mobilität Grundlage für mehr Individualität in der Ausgestaltung der späteren Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten. 

 

Im Anschluss an ihre Schulzeit stehen den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Wege für ihre  berufliche Zukunft offen:

  • der Berufsbildungsbereich der Werkstatt für Menschen mit Behinderung
  • eine  Arbeit in einem "betriebsintegrierten Arbeitsplatz" unter Leitung des Berufsbildungsbereichs der Werkstatt für Menschen mit Behinderung
  • ein Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, der in einem Praktikum gefunden wurde mit Unterstützung durch den Integrationsfachdienst auch in der Zeit nach der Schule
  • interessierte Schüler bewerben sich um einen Ausbildungsplatz in der integrativen Berufsakademie im Himmelreich ....
  • Seit dem Schuljahr 2012/13 gibt es im Landkreis auch eine Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE). Schülerinnen und Schüler der Berufsschulstufe können sich für die Aufnahme in der "BVE" des Landkreises Rottweil bewerben.

Neben diesen Möglichkeiten werden immer wieder individuelle Wege mit individuellen Lösungen gesucht und eingeschlagen werden.